Butter bei die Fische....

 

Aufgabe ist es, dass wir den IST-Zustand unserer Schule reflektieren und ganz ehrlich: meine Schule kommt alles andere als gut bei der Gesamtsituation weg. 

Bereits im zweiten Post habe ich darauf hingewiesen, dass die Situation an unserer Schule schwierig ist, aber nun möchte ich sie aus meiner kurzen Erfahrung einmal in allen Einzelteilen reflektieren und mir aufschreiben, was ich mir wünsche - kurz- und langfristig. 

Geräteausstattung

Bei der Geräteausstattung ist es momentan so, dass wir mit einem PC Raum arbeiten können, in dem das jüngste Gerät circa 8 Jahre alt ist - es sind auch nur 14 Maschinen im Raum, so muss M&I immer in Halbklassen unterrichtet werden. Im Moment werden Workstations aufgebaut, um die Maschinen, die nach den Sommerferien hoffentlich bei uns Einzug halten, getestet werden können. Ausserdem haben wir einen Drucker für die Schüler, der sehr günstig arbeitet. 
In unserer ICT Vereinbarung heisst es, dass das Handy der SchülerInnen nicht sichtbar sein darf, ausser eine Lehrperson erlaubt die Nutzung. Aber auch dann sind diese Geräte noch nicht bei uns im Schulnetzwerk zugelassen. Der Netzwerkschlüssel ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Schule. Es gibt auch nur ein Netzwerk, mal davon abgesehen. BOYD ist bei uns also auch nur bedingt möglich - ausser die Eltern der SchülerInnen bezahlen ein Handyabo, in dem mobiles Internet integriert ist. 
Dazu kommen drei Kästen mit je 10 (oder 12, ich bin gerade nicht sicher) Surfacebooks. Mehr IT Infrastruktur gibt es bei uns nicht. Es ist also nicht möglich, dass neben meiner sehr grossen Deutschklasse (28 SuS im TT) noch weitere Klassen aus Laptops arbeiten. 
Dazu kommen noch alte Samsungtablets, die nicht einmal mehr den Einsatz eines QR Codescanners ermöglichen. Mit ihnen kann man aber immerhin browserbasierte Lehrmittel bearbeiten. 

In unseren Zimmern hängen als audiovisuelle Hilfsmittel keine Beamer, sondern Fernseher, auf denen die letzte Reihe im Schulzimmer keine Chance hat, die Schrift in einer Präsentation zu lesen. Mit dem iPad via (selbstbezahltem) AppleTV darauf zu projizieren und damit auch Tafelbilder halt- und verteilbar zu machen, ist eigentlich nicht möglich, denn die SchülerInnen haben keine Möglichkeit die Anzeige zu lesen. Auch der Einsatz der eigentlich sehr guten Visualizer ist damit obsolet, denn die Schüler können die Anzeige auf dem deutlich zu kleinen Fernseher schlicht nicht lesen. Somit bleibt uns mehrheitlich nur die Tafel als Hilfsmittel im Klassenzimmer. 

Die Lehrpersonen haben gesamthaft eine feste Workstation zur Verfügung, an der sie arbeiten können. Auch dieses Gerät ist mittlerweile sicherlich 5-8 Jahre alt, sehr langsam und bietet nicht die Möglichkeiten, die man sich von einem modernen Arbeitsplatz erwartet. 
Es gibt keine Schulgeräte für die Lehrpersonen, das heisst: noch nicht. Nach den Sommerferien soll die 1:1 Ausstattung für die SchülerInnen Einzug halten, die HP Notebooks sind bestellt, daher würden dann für die Lehrpersonen die alten Surfacebooks upgedatet, die dann unsere Arbeitsgeräte werden sollen. 
Wenn ich mir jetzt allerdings ernsthaft überlege, mein allerneuestes MacBook gegen ein uraltes und bereits durch viele Schülerhände gegangenes Surfacebook zu tauschen, wird mir übel. Ich brauche als Lehrperson, wenn ich digital unterrichten möchte, mindestens einen neueren Laptop mit einem grossen Bildschirm  (mindestens 13 Zoll), perfekt daneben wäre ein Tablet, damit ich z.B. meine Tafelbilder festhalten und auf Teams verfügbar machen kann (und alle weiteren Dinge, die man mit einem Tablet anstellen kann...natürlich). Derzeit bekommen die Lehrpersonen pro Monat 20,- CHF um ihr eigenes Gerät für die Schule zu benutzen - dafür müssen sie es warten, es muss jederzeit mit den neuesten Updates versehen sein, sie müssen für Virenschutz sorgen und dafür, dass der Datenschutz gewährleistet ist. Das sind 240,- CHF im Jahr. Ich müsste als mindestens 5 Jahre sparen, um mir nur eines der drei Geräte zur Hälfte leisten zu können, das ich in der Schule benutze..und dann darf daran auch nichts kaputt gehen. 

Softwareausstattung

Als ich an der Schule vor wenigen Monaten angefangen habe zu arbeiten, gab es: nichts. Nun haben wir als Lehrpersonen einen Office 365 Account und Teams, mit dem aber nur wir als Team arbeiten können. Die SchülerInnen werden hoffentlich nach den Osterferien mit ins System integriert und haben dann auch ihren eigenen O365 Account und besonders: hoffentlich haben sie Teams. 

Kultur der Digitalität

Auch im vorletzten Post habe ich bereits darauf hingewiesen, dass die beiden oberen Punkte weniger als die halbe Miete sind. Wenn man aber die beiden oberen Punkte betrachtet, können wir als Schule gar keine digitale Kultur aufbauen, weil wir gar nicht die technische Ausstattung haben, um diese zu pflegen und um Digitalität wirklich im Unterricht zu leben. Es ist der grösste Kritikpunkt des einen Kollegiums, das ich betreue. Praktisch jeden Tag ist es Thema im Lehrerzimmer, dass uns diese oder jede Ausstattung fehlt und wir uns dringend wünschen, dass wir mit anständiger Hardware versorgt würden. Der Wille diese einzusetzen, ist mehr als vorhanden und alle Lehrpersonen haben hervorragende Ideen, die nur auf ihre Umsetzung warten. Hoffentlich kommen die Notebooks wirklich nach den Ferien. 
Im anderen Kollegium, für das ich ebenfalls zuständig bin, sieht es deutlich düsterer aus. Nach einer Einführung in die Software "Teams" ist kein Wille erkennbar, dieses Programm nur schon für das Kollegium zu nutzen. Es bleibt bei Whatsappchats, in denen nicht jede Lehrperson drin ist, und bei selbsterstellten Ordnern auf eigenen Accounts, die geteilt werden. Von einer digitalen Kultur oder dem Wunsch diese einzuführen, ist nichts zu spüren, eher im Gegenteil. 
Im anderen Kollegium hingegen wird Teams rege genutzt und ich bin sicher, dass, sobald es technisch möglich ist, auch viele Ideen sprudeln werden, wie wir digital mit den SchülerInnen vorankommen können. 

Fazit

Wir stehen ganz am Anfang, Digitalität ist durch mangelnde Investitionen an dieser Schule praktisch nicht möglich. Aber: ein erster Schritt ist die Anschaffung der 1:1 Ausrüstung, endlich. Diese schwierige Ausgangslage bietet für mich als SMI aber auch einen hervorragenden Boden, um viele Dinge mit auf den Weg zu bringen und mit meinen Kollegen eine neue digitale Kultur an unserer Schule zu erschaffen. Ich weiss, dass ich ein hervorragendes Team um mich herum habe und eine sehr unterstützende Schulleitung. Meine grössten Zweifel bestehen bei der Investitionsfreude, nun wird für viel Geld eine 1:1 Ausrüstung angeschafft, aber damit ist nur ein erster Schritt gemacht. Beamer mit AppleTV, Chromecast oä. und besonders: guten Lautsprechern in jedem Zimmer sind der Nächste. Und dann? Unser Musiklehrer möchte gerne aufzeichnen, kriegen wir ein Tonstudio hin? Wir möchten gerne eine Fotografiekurs geben und vielleicht ist es möglich das Abschlusstheater als Kinofilm zu drehen. Können wir Kameras und Mikrofone anschaffen? Wäre es nicht schön, wenn unsere Kids eigene Lehrvideos drehen könnten? Dann wären zwei Sätze mit iPads toll, weil die Software so viel einfacher zu bedienen ist....und und und..... Ich hoffe, dass die Gemeinden sehen, dass dies nicht einfach Spielereien sind, sondern dass wir damit den Wechsel vom Konsumenten zum Produzenten einer digitalisierten Gesellschaft schon in der Schule unterstützen können. 

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