Kultur der Digitalität (11.4)
Wo stehen wir eigentlich als Schule, wenn wir über das Thema ICT sprechen? Wenn ich unseren Kurs betrachte: an völlig verschiedenen Orten. Keine Schule gleicht der anderen, die Probleme, aber auch die Einsatzorte der digitalen Medien sind vollkommen unterschiedlich. Wo an der einen Schule bereits darüber nachgedacht wird den 3D Drucker mit einem Flüssigdrucker zu ergänzen, arbeiten wir zB noch mit einem uralten IT Raum und einigen Surfacebooks, von einem 1:1 Computing sind wir zwar nicht mehr weit entfernt, aber das eben erst jetzt. Andere Schulen schaffen bereits den 2 oder 3 Satz iPads an. Auch die Geräte, für die sich die Schulen entschieden haben, sind völlig unterschiedlich, so auch das Konzept, womit die LehrerInnen arbeiten. Aber ich schweife ab. Mein Thema in diesem, ersten richtigen Blogpost ist das Thema "Kultur der Digitalität". Was heisst das? Welche Kultur mag sich manch einer denken. Und da gehts los:
Reicht es eigentlich Schulen ganz einfach mit den erforderlichen IT Geräten auszustatten und diese den SchülerInnen und den LehrerInnen einfach zur Verfügung zu stellen? Mitnichten. Geräte und die die technischen Geräte sind nur die Spitze des Eisbergs!
Wir LehrerInnen sind es, die Kompetenzen, Kultur und Mindset in die Schule bringen müssen. Auf der anderen Seite brauchen wir die Möglichkeit die Arbeitsweisen für digitalen Unterricht zu erlernen, diese Abbildung ist nicht perfekt auf die Schule abgestimmt, aber sie zeigt sehr genau, was die Schule braucht und vorallem auch: Woran es fehlt. Wieviele LehrerInnen haben in all ihren Dienstjahren keine einzige Weiterbildung zum Thema "digitale Medien" erhalten? Da Schule ja auch "ohne" funktioniert, oft auch funktionieren muss, oder musste, ist bis heute eine gängige Erklärung dafür, warum so selten digital gearbeitet wird. Die alten drei Schlüsselkompetenzen "rechnen, schreiben und lesen" können problemlos auch ohne Laptop oder iPad unterrichtet werden.Leider geht bei dieser Ansicht vollkommen verloren, dass wir SchülerInnen in die Welt entlassen, von denen verlangt wird, dass sie "digitale Techniken" beherrschen, weil diese aus der modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken sind. Also würde theoretisch ja reichen, wenn man wie "digitale Medien" als Fach unterrichtet, wie man auch Mathe, Deutsch und RZG unterrichtet, nennt sich sogar M&I. Aber so einfach ist es eben nicht. Digitale Medien sollten die Schule durchdringen, wie Wasser sich in alle Ritzen setzt. So können bereits Kindergärtler Bilderbücher verfilmen, Primarschüler Bilderbücher vorlesen und vertonen, digitale Medien sind nicht ein weiteres Fach. Sie ergänzen die vorhandenen. Auch kleine Kinder können Lehrvideos drehen und sich überlegen, was sie besonders gut können und das zeigen. Aber dazu braucht man den Willen und besonders auch die Kompetenz der Lehrpersonen.
Ich finde es interessant, dass die Schule, so denke ich, der einzige Ort ist, an dem die Digitalisierung nicht aus einem Bedürfnis heraus eingesetzt wird, sondern es bei vielen Lehrpersonen so wirkt, als würde es ihnen übergestülpt. Dabei sollte es gerade umgekehrt sein. Wir sollten doch die Profis der Digitalität sein und unseren SchülerInnen den Nutzen und die Möglichkeiten eröffnen, in denen sie sich austoben können.
Digitale Medien werden also folgerichtig im Lehrplan 21 nicht als "einzelnes Fach" geführt, sondern als Modul, das über den gesamten Schulbesuch hin unterrichtet werden soll. Zitat: Bereits vor Schuleintritt begegnen und nutzen Kinder heute zahlreiche Medien. Eine zentrale Aufgabe der Schule besteht darin, diesen vor- und ausserschulischen Mediengebrauch als Ressource und Erfahrungsfeld aufzugreifen und die Schülerinnen und Schüler zu einer vertieften Reflexion dieser Erfahrungen und Fähigkeiten zu führen. Die Bildung der eigenen Persönlichkeit, der kulturellen Identität, der Erwerb personaler und sozialer Kompetenzen geschieht heute auch in Auseinandersetzung mit Medien.
Es ist also auch eine Aufgabe der Schule, dass SchülerInnen begreifen, wie Suchmaschinen funktionieren, wie sie korrekt nach Informationen suchen, wer ihnen diese Informationen zur Verfügung stellen. Sie müssen lernen die Algorythmizität zu durchschauen, sie müssen lernen, ihren Suchergebnissen einen Kontext zu bieten..... So können unsere SchülerInnen vom einfachen Konsument, der von seinen Apps gelenkt und geleitet wird, zum Produzent werden. So können sie den Trumpf wieder in die Hand bekommen, können selbst darüber entscheiden, wieviel ihrer Daten sie im Internet preisgeben und einordnen, warum ihnen welche Werbung angezeigt wird.
Die grosse Frage, die sich hier stellt: Wie kriegen aber nicht nur die SchülerInnen, sondern besonders die Lehrerinnen den Trumpf "digitale Medien" in die Hand? Und genau darum geht es in diesem Blog.

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